Umsatz explodiert um 372 %, 14 Milliarden Rückkauf ausgegeben, aber der Aktienkurs von SanDisk stürzt trotzdem um 8 % ab – wovor hat der Markt eigentlich Angst?
Am Mittwoch nach US-Ostküstenzeit fühlte sich die SanDisk-Ergebnis-Telefonkonferenz wie eine Beerdigung an.
Umsatz 8,97 Mrd. USD, ein Wachstum von 372 % im Jahresvergleich. Bereinigter Gewinn je Aktie 39,25 USD, vor einem Jahr waren es 0,29 USD – eine Steigerung um das 135-Fache. Bruttomarge 84,6 %, vor einem Jahr 26,2 %.
Der Vorstand genehmigte außerdem ein neues Rückkaufprogramm über 14 Mrd. USD, die gesamte Rückkaufgenehmigung steigt damit auf 15,5 Mrd. USD.
Und dann?
Nachbörslich fiel die Aktie zeitweise um 8 %.
Im regulären Handel war sie bereits um 5,4 % gefallen, nachbörslich kam noch ein weiterer Schlag dazu. Innerhalb eines Tages gingen mehrere Milliarden USD an Marktkapitalisierung verloren.
Kennst du solche Leute – die vor Freude über die Zahlen der Bilanz nicht schlafen können, aber beim Blick auf ihr Konto total verblüfft sind?
Wo liegt das Problem?
Bei der Prognose.
SanDisk gab für das nächste Quartal eine Umsatzprognose von 10,3 bis 10,8 Mrd. USD, der Mittelwert liegt bei 10,55 Mrd. USD. Die Wall Street erwartete 10,8 Mrd. USD.
Es fehlen 250 Mio. USD.
Nur diese 250 Mio. USD führten zum Todesurteil des Marktes.
Goldman-Sachs-Analyst James Schneider bekräftigte nachbörslich die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 2200 USD. Von 30 Wall-Street-Analysten empfehlen 25 den Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 2433 USD.
Aber es nützt nichts. Der Kurs fiel trotzdem.
Noch schmerzhafter ist – SanDisk weiß selbst, wo das Problem liegt.
Im Bericht steht klar: Das Umsatzwachstum im vierten Quartal stammt zu einem Drittel aus höheren Verkaufszahlen, zu zwei Dritteln aus Preiserhöhungen.
In Klartext: Die guten Ergebnisse kommen nicht daher, dass mehr verkauft wurde, sondern weil teurer verkauft wurde.
Das Rechenzentrumsgeschäft machte vor einem Jahr nur 12 % der Auslieferungen aus, jetzt sind es 38 %. KI-Kunden reißen sich um die Ware, SanDisk hat die Kapazitäten für 2026 längst ausverkauft.
Aber der Markt stellt jetzt eine andere Frage: Wie lange können die Preise noch steigen?
SanDisk antwortet: Die Bruttomargenprognose für das nächste Quartal liegt bei 83 %–85 %, im Wesentlichen stabil, mit Anzeichen für eine Spitze.
Noch härter ist die langfristige Perspektive.
SanDisk hat acht langfristige NBM-Verträge mit garantierten Einnahmen von 93,9 Mrd. USD abgeschlossen. Über die Hälfte der Lieferungen für 2027 sind bereits gesichert, zwei Drittel für 2028.
Klingt stabil, oder?
Aber aus einer anderen Perspektive: Langfristige Verträge setzen eine Preisobergrenze fest.
SanDisk erwartet, dass der globale NAND-Markt 2026 über 300 Mrd. USD und 2027 fast 500 Mrd. USD erreichen wird. Der Kuchen wird größer, aber wie sieht es mit SanDisks Anteil aus? Laut Counterpoint-Daten hat SanDisk im ersten Quartal 2026 nur 13 % des globalen NAND-Marktes.
Der Kuchen wird größer, aber es gibt auch mehr Messer, die ihn schneiden.
Samsung, SK Hynix, Micron, ChangXin – alle vier bauen ihre Kapazitäten aus. ChangXin ist gerade an der A-Aktienbörse mit einer Marktkapitalisierung von 3,31 Billionen gelistet. SK Hynix ging im Juli an die Nasdaq und sammelte 26,5 Mrd. USD ein.
Auf den Kapitalmärkten wird jeder Cent auf dieselbe Geschichte gesetzt: KI-Speicher.
Das Problem ist – wenn alle auf dieselbe Geschichte setzen, wie lange kann diese Geschichte noch erzählt werden?
Zum Schluss eine ehrliche Aussage.
Der SanDisk-Bericht selbst ist nicht das Problem, das Problem sind die Markterwartungen.
Der Aktienkurs ist in diesem Jahr um 470 % gestiegen. Von 30 Analysten empfehlen 25 den Kauf. Der Markt hat das Szenario „kontinuierlich steigende KI-Speichernachfrage“ bis zum Äußersten ausgeschöpft.
Jedes Signal, das „nicht perfekt genug“ ist, wird zum Beweis für einen „Zyklusgipfel“ aufgebauscht.
Der SanDisk-CEO sagte in der Telefonkonferenz: „Früher konnten wir die Nachfrage nur für drei Monate vorhersagen, heute haben wir mehr als vier Jahre gesicherte Abnahmemengen.“
Aber der Markt kann nicht einmal eine Quartalsprognose unter den Erwartungen ertragen.
Das ist nicht das Problem von SanDisk.
Das ist das Problem der gesamten KI-Branche – die Erwartungen sind der Realität viel zu weit voraus.
372 % Umsatzwachstum reichen nicht, 135-facher EPS-Anstieg reicht nicht, 14 Mrd. Rückkauf reichen nicht.
Der Markt will: dass es ewig weiter steigt.
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